Jun
2009
Boris Becker und seine Lilly
Boris Becker und seine Lilly
Das Ja von St. Moritz
RTL-Moderatorin Frauke Ludowig hat das Paar in den letzten Wochen begleitet. In BILD am SONNTAG schreibt sie über die Hochzeit des Jahres.
Als ich Samstagmorgen um 2.05 Uhr die Hochzeitsparty im Hotel „Badrutt’s Palace“ in St. Moritz verließ, warf ich einen Abschiedsblick auf das Brautpaar. Boris und Lilly tanzten. Nicht eng umschlungen, sondern wild und ausgelassen. Ich ging zu den beiden auf die Tanzfläche, um ein letztes Mal an diesem Abend mit ihnen zu sprechen.
Seine Augen leuchteten. Ihre Augen schimmerten feucht. Sie war den ganzen Tag über sehr emotional, weinte immer wieder vor Aufregung und Glück, wischte sich oft verstohlen eine Träne aus dem Auge. Lilly sah mich an, zog Boris an sich heran, umarmte und küsste ihn leidenschaftlich. Dann sagte sie mir: „Diese Hochzeit ist schöner, als wir es uns je erträumt haben.“
Sie liebt Boris abgöttisch, das konnte man sehen: eine zauberhaft nervöse und unglaublich verliebte Braut. Sie wiederholte immer wieder „Ich bin Mrs. Becker“ – das findet sie zu schön.
Ich kenne Boris Becker seit fünfzehn Jahren, häufig trafen wir uns auf Galas und Events. Einmal besuchte ich ihn für ein Special für „RTL Exclusiv“ in Miami, ein anderes Mal waren wir mit ihm in Los Angeles. Sharlely Kerssenberg, jetzt Becker, habe ich erst bei unserem ersten Dreh in St. Moritz vor etwa vierzehn Tagen zum ersten Mal getroffen.
Eines ist mir dabei sofort aufgefallen: Boris ist viel herzlicher und friedlicher geworden. Früher war er oft sehr angespannt, fast verbissen. Jetzt wirkt er gelöst. Nur wenn er über die harten Zeiten spricht, die geschäftlichen Probleme, die Frauengeschichten, wirkt er wieder angespannt.
Ich bin mir sicher, dass sein verändertes Wesen nichts mit seinem Alter oder seiner Reife zu tun hat. Ich glaube, dass Lilly ihn verändert hat, mehr noch: Boris ist wie befreit.
Sie ist ein Mensch, der sich zunächst freundlich zurücknimmt, wenn sie jemandem begegnet. Sie wartet erstmal ab. Wenn das Eis aber gebrochen ist, zeigt sie ihre Herzlichkeit, ihren Humor. Ihr Lachen ist mitreißend, ihre raue Stimme interessant. Lilly sagt, es käme daher, weil sie früher viel geraucht habe.
In den letzten zwei Wochen haben mein TV-Team und ich Boris und Lilly nach St. Moritz, Paris, Monaco, Zürich und London begleitet. Während dieser Zeit habe ich Lilly als eine leidenschaftliche, temperamentvolle Frau erlebt.
Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie sich seine Beziehung zu Lilly von seiner Zeit mit seiner ersten Ehefrau Barbara unterscheidet, weil ich die beiden damals kaum miteinander erlebt habe. Aber ich habe bei Lilly das Gefühl, sie lässt ihn fliegen. Und im positiven Sinne gesagt: Sie hat ihn auch im Griff.
Sicherlich haben beide gemeinsam die Hochzeit und die anschließende Feier vorbereitet, aber die Details hat Lilly ausgewählt und bestimmt: Nach dem Champagner-Empfang im Madonna-Saal am Samstagabend eröffnete Boris Becker gegen 21.30 Uhr das Hochzeitsdinner im Embassy-Saal.
Der 389 Quadratmeter große Bankett-Raum war wie ein italienisches Gartenrestaurant dekoriert: Die Wände waren mit 10000 roten Rosen, die Kristalllüster und Tische mit weißen Rosen geschmückt. Rot und Weiß sind die Lieblingsfarben der Braut, auch alle weiblichen Gäste und die Brautjungfern kamen in roten Roben. Der Bodenbelag war allerdings klar ein „echter“ Becker: Der Teppich bestand aus grünem Kunstrasen.
Zu Beginn hielt der Bräutigam eine Rede, in der er die wichtigsten Gäste vorstellte. Danach ging er zu seiner Frau, sah ihr in die Augen, sagte „Baby, I love you“ und küsste sie.
Die Sängerin Karren Allyson unterhielt die Gäste während des Essens mit Soulsongs.
Es gab mehrere Reden. Boris Beckers Partner Hans-Peter Cleven sprach vor dem Hauptgang, nach dem Dessert kam Boris-Trauzeuge Luis Garcia Fanjul dran, schließlich Lillys Onkel Edley Kerssenberg. Der sagte: „Sharlely ist schon immer ein süßes Mädchen gewesen. Sie wusste immer, was sie will. Und das hat sie auch in ihr Erwachsenenleben getragen.“ Bei diesen Worten sah Boris seine Frau an, in seinem Blick mischten sich Bewunderung, Glück und Stolz.
Zum Song „Single Ladies“ von Beyoncé warf Lilly ihren Brautstrauß. Marion Kiechle, die Verlobte von Marcel Reif, fing ihn auf. Danach folgte der Brauttanz, kein klassischer Hochzeitswalzer, sondern der Song „Overjoyed“ von Stevie Wonder. Darin heißt es: „All die Zeit habe ich mir das Schloss der Liebe erbaut. Nur für zwei, aber du wusstest nicht, dass du mein Grund dafür bist.“
Ich war beeindruckt, wie stark Boris Beckers Söhne Noah und Elias an Lilly hängen und wie sehr sie die neue Frau ihres Vaters mögen. Immer wieder suchten sie ihre Nähe. Boris liebt seine Söhne über alles – und dass Lilly sich so toll mit den beiden versteht, ist sicher einer der wichtigsten Gründe gewesen, warum Boris spürte, dass Lilly für ihn die Frau zum Heiraten ist.
Während der gesamten Hochzeitstage konnte ich beobachten, wie innig Lillys Verhältnis zu ihrer Familie und speziell zu Großmutter Esseline ist. Immer wieder ging sie zu ihr, wollte sehen, ob sie sich wohlfühlt, wollte sicher sein, dass sie die Party genießt und es ihr an nichts fehlt.
Außer der Liebe zu seinen Kindern und der Familie bringt Lilly zwei weitere Dinge mit, die ihre Beziehung zu Boris vertiefen: Sie macht sein Leben mit. Das muss man auch bei einem Mann, der von Stadt zu Stadt jettet, von London nach Miami, nach Zürich, nach Mallorca. Das muss man als Frau erstmal aushalten wollen: Mit einem Typen jeden Tag an einem anderen Flughafen in einen Jet zu steigen und kein richtig festes Zuhause zu haben, wäre nicht mein Leben. Das kann keine komplett berufstätige Frau leisten, und ich meine das nicht despektierlich. Ich glaube, Lilly liebt ihn über alles und sie liebt seinen Lebensstil.
Als ich zusah, wie sie vor einer Woche den Brautschmuck anprobierte, konnte ich ihr ansehen, dass sie sich beschenkt fühlte. Diese teuren Dinge sind nichts Alltägliches für sie, für Boris ist ein gewisser Luxus wesentlich normaler. Lilly gibt offen zu, dass sie diese Hochzeit mit einem edlen Designer-Brautkleid, teurem Schmuck, prominenten Gästen sehr genießt. Sie sagte mir: „Ich fühle mich wie eine Prinzessin.“
Bei der kirchlichen Trauung am Freitag in der Bergkapelle Regina Pacis sah Lilly in ihrem cremefarbenes Couture-Brautkleid der New Yorker Designerin Carolina Herrera und dem Schleier auch wie eine Prinzessin aus. Sie schritt mit 18 Minuten Verspätung in die Kirche. Boris Becker sagte mir nach der Trauung: „Als ich Lilly in der Kapelle in ihrem Brautkleid auf mich zukommen sah, habe ich vor Glück geweint.“
Ich habe noch nie so eine fröhliche, ausgelassene Stimmung bei einer Hochzeit erlebt. Die Zeremonie war eine tolle Mischung aus feierlichem Jawort und musikalischem Fest. Der Gospelchor sang so mitreißend, dass Lillys Großmutter Esseline aufstand und tanzte. Das „Ave Maria“ sang Heinrich Schuster, der beste Freund von Boris Beckers 1999 verstorbenem Vater Karl-Heinz.
Das erste Jawort gaben sich Boris und Lilly bereits Freitagmittag um 12.09 Uhr im Segantini-Museum. Lilly trug einen weißen Hosenanzug, einen camelfarbenen Hermes-Gürtel, ein weißes Rosenbukett und schwindelerregend hohe High Heels von Christian Louboutin. „Ich trage zu besonderen Anlässen immer Louboutin“, sagte sie mir.
Und verriet außerdem, dass sie schon auf dem Weg zum Standesamt weinen musste: „Elias fragte mich: ,Bist du traurig?‘ Nein, ich war glücklich und nervös.“
Diese Nervosität war es auch, die sie am Hochzeitsmorgen schon um 6.30 Uhr aufwachen ließ. „Ich konnte vor Aufregung nicht länger schlafen.“ Das Brautpaar hatte die letzte Nacht vor der Hochzeit in getrennten Zimmern des „Badrutt’s Palace“ verbracht.
Während Lilly am Freitag den Polterabend im Restaurant „Chesa Veglia“ gegen 23.30 Uhr verließ und mit ihrer Großmutter Esseline in einem Bett schlief, nahm der Bräutigam in der Hotelbar einen Schlummertrunk. „Heute wird nichts mehr passieren. Ich schlafe ganz allein“, sagte er verschmitzt.
Zu diesem Zeitpunkt hatte das Paar bereits die Generalprobe der kirchlichen Trauung hinter sich gebracht. Rührend zu sehen, wie Boris und Lilly vor dem Altar saßen, sie links, er rechts. Sie hatte ihren Arm um seine Schulter gelegt, streichelte ihn, sah ihn liebevoll an.
In den letzten zwei Wochen, in denen ich die beiden für die Dreharbeiten zum „Exclusiv-Spezial: Vorteil Becker – Boris’ Traumhochzeit in St. Moritz“ begleitete, habe, haben wir oft lange miteinander geredet. Auch wenn das Kameralicht lange erloschen war.
Besonders nett und lang saßen wir nach dem Dreh beim Probeessen des Hochzeitsmenüs im „Badrutt’s Palace“ zusammen. Das Kamerateam war schon weg und auch ich wollte die beiden allein lassen, aber Lilly sagte: „Komm, trink doch noch ein Glas Wein mit uns.“
Eine angenehme Atmosphäre, in der ich sehen und spüren konnte, wie sehr die beiden miteinander harmonieren. Mein Eindruck ist, dass sie wirklich glücklich sind – und sich selbst genügen. Wenn Boris sagt: „Bei ihr bin ich angekommen“, glaube ich ihm das – denn ich sehe es.
Lilly ist kein Mäuschen. So einen Typ Frau will Boris auch nicht. Ich habe nicht nur das Gefühl, dass er sich von ihr körperlich stark angezogen fühlt, sondern auch, dass er sehr verliebt ist. Sie nimmt ihn an die Hand und leitet ihn auch in großen Teilen. Das macht ihre Stärke aus.
Als Lilly bei den Hochzeitsvorbereitungen aus drei Vorspeisenalternativen eine wählt, weil sie findet, dass das super lecker aussieht, diskutiert Boris nicht, sondern sagt: „Wenn du das möchtest, machen wir das so.“ Da war er vor ein paar Jahren noch anders, er war früher derjenige, der den Ton angegeben hat. Das hat Lilly ihm abgewöhnt.
Sie streicheln sich, umarmen sich, halten Händchen. Immer. Dieses Nicht-voneinander-lassen-können kennt man von der ersten Verliebtheit, aber sie scheinen nach den ganzen Jahren, trotz Unterbrechung im letzten Sommer, immer noch auf einer Wolke zu schweben. Sie sind körperlich und gefühlsmäßig eng miteinander. Übrigens nennt er sie „Lil“, ein Mix aus „Lilly“ und „little“, englische Wort für „klein“.
Früher hat Boris immer versucht, sich in der Öffentlichkeit zu beherrschen. Beim Dreh gab es häufig Situationen, in denen die beiden sich ansahen und zu lachen begannen. Ich stand dabei, musste mitlachen, auch wenn ich gar nicht genau wusste, warum. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass sie sich gegenseitig mit ihrer Fröhlichkeit ansteckten. Das war süß – eine Symbiose zwischen zwei Menschen, die sich gefunden haben.
Natürlich fallen die beiden sich schon mal ins Wort, wenn der eine etwas sagt, was dem anderen nicht passt. Sie streiten gelegentlich auch heftig, zum Beispiel beim Pokern. Boris sagte mir: „Wenn du bei unserem letzten Streit dabeigewesen wärst, hättest du gedacht, diese Hochzeit würde niemals stattfinden . . .“
Ich glaube nicht, dass ich das gedacht hätte: Denn ich bin überzeugt, dass diese zwei Menschen zu einander gehören: Im Guten, im Bösen, im Lachen, im Streiten.

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